| Mehr als Bollywood, Indischer Abend im Neuen Rathaus |
| Montag, 05. Oktober 2009 um 16:20 Uhr | |||
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Krishna zieht ins Rathaus ein
Am 30.09. veranstalteten wir im Rahmen der Interkulturellen Wochen in Leipzig einen indischen Abend im Neuen Rathaus. Der Abend war sehr gelungen, das Ambiente des Rathauses war wie dafür gemacht und mit mehr als 100 Besuchern war dieses Ereignis auch gut besucht.
Wir ließen Krishna in Form Seines heiligen Namens durch die Rathausgemäuer hallen, lasen Geschichten aus den Veden vor und anschließend gab es noch einen Vortrag über die vedische Kultur. Die Besucher waren sehr interessiert und stellten gute Fragen. Abschluss bildete - na klar - ein super Festessen von Pradyumna. Doch all dies war nicht ganz so normal, wie man es annehmen könnte. Im Vorfeld gab es heftige Kritik an uns als gefährliche Psychosekte sowie der Stadt, wie sie uns das Rathaus zur Verfügung stellen könne. Ursache dafür war die Sektenexperten einer Elterninitiative, unter Religionswissenschaftlern eine sehr umstrittene Frau, deren Kompetenz in Frage gestellt wird. Weiterhin kamen namhafte Politiker zu Wort, welche sich eher der christlichen Religion zugehörig fühlen und die Situation vor der Wahl nutzten, um noch ein paar Stimmen zu bekommen. Hier der Artikel:
Die Anschuldigungen sind alle falsch. In Deutschland stand noch kein Hare Krishna wegen Mord oder Kindesmissbrauch oder ähnlichem vor Gericht. Vor der Bundesregierung sind wir als offiziell anerkannt; dies kommt aus dem Enquete-Kommissionsbericht von 1998 heraus, in welchem vorhergehende Feststellungen der Regierung revidiert wurden. In dieser Kommission kamen vorrangig Religionswissenschaftler zu Wort, welche anders motiviert sind als kirchliche Sektenbeauftragte. In einem Urteil des Amtsgerichtes Freiburg vom 4.12.1989 heisst es " Es kann kein Zweifel daran bestehen, daß die aus Indien stammende und sich auf die vedischen Schreiften stützende Glaubenslehre der Hare -Krishna-Mönche zu den in Artikel 4 Grundgesetz geschützten Religionen gehört. Leider gibt es einige selbsternannte Experten, welche diese Urteile nicht akzeptiren möchten. Die Inderin, von der im Artikel die Rede ist, stammt aus einem Inselstaat im Südwesten des Indischen Ozeans. Sie ist bei uns gern gesehen, solange sie sich entsprechend verhält. Wir haben kein Problem damit, dass sie mit Christen zusammenwohnt, doch sie ihrerseits beschwerte sich häufig, dass sie ihre Religion in deren Gegenwart Ihrer christlichen Mitbewohner nicht frei leben könne. Es gab noch viele andere haltlose Vorwürfe aber dies hat nur dazu geführt, dass die latenten Vorurteile gegen uns zur Sprache kamen und aufgeklärt wurden. So wurde uns vorgehalten ein geschlossenes Weltbild zu haben und eine Person in den Mittelpunkt zu stellen, die Erlösung gibt, linteressant, wenn solche Anschuldigungen gerade von christlicher Seite kommen. Nun, wir haben ein geschlossenes Weltbild, aber im Gegensatz zu anderen Ideologien schließt dieses Weltbild alle Gegensätze mit ein, da alles ein Teil Krishnas ist, und ja wir stellen eine Person in den Mittelpunkt, Krishna, Gott ;) Und genau das macht uns zu einer echten Religion! Ein ganz großes Dankeschön geht dabei an die Stadt Leipzig, insbesondere das Ausländerreferendariat, welche sich von den Zeitungsartikel und den Vorwürfen nicht haben beeindrucken lassen.
Nach dem zweiten Artikel involvierte sich dann Herr Prof. Dr. Seiwert,Geschäftsführer des religionswissenschaftlichen Institutes der Uni Leipzig, und wies die Anschuldigungen gegen uns als reinen Unsinn zurück. Die LVZ zitiert: ISKCON ist eine religiöse Gemeinschaft, sie als gefährliche Sekte zu bezeichnen halte ich für reihen Unsinn. Es gibt in Deutschland keinen einzigen Fall der strafrechtliche Relevanz hätte, wie etwa sexueller Missbrauch, Erpressung oder gar Mord.
„Niemand wird gezwungen, sich ISKCON anzuschließen und jeder kann jederzeit wieder rausgehen. Man muss aufpassen, dass man nicht aus latenter Angst vor Fremdem Vorschub leistet und religiöse Minderheiten diskriminiert. „
Ja, waren die Interkulturellen Wochen nicht dafür gedacht, Diskriminierten, Randgruppen und Andersdenkenden eine Plattform zu geben, damit sich die Öffentlichkeit informieren und von Vorurteilen befreien kann?
Nach den Vorfällen haben sich dann viele für uns eingesetzt, z.B. indische Mitbürger wie Herr Rajesh, führender Mitarbeiter des Fraunhofer-Instituts Chemnitz, der schrieb, dass er seit der 7. Generation Hare Krishna ist und sich bei uns sehr wohl fühlt, dass wir original sind sowie dass diese Bewegung Jahrtausende alt ist. Weiterhin kamen Briefe des Protestes von Eltern und Religionswissenschaftlern sowie viele andere gute Beiträge, vorrangig von Intellektuellen und Studenten. Weit mehr als 40 Briefe gingen bei der Stadt und Herrn Feist (CDU) ein.Dies hat unsere Erfahrung bestätigt, dass die meisten Leipziger sehr weltoffen und tollerant sind.
Herr Lal, prominenter indischer Geschäftsmann in Leipzig und Kultur-Engagierter, war ebenfalls sehr empört über den Vorfall. Er meinte, „Wenn in Indien christliche Minderheiten so diskriminiert würden, wäre das sehr beschämend für mich. Ich freue mich, dass ihr die indische Kultur hier präsentiert.“ Seiner Meinung nach waren die Anschudigungen gegen uns eine Beleidigung gegen den Hinduismus als Ganzes.
Inzwischen sind dann auch auf Druck der Fürsprecher zwei positive Artikel in der LVZ erschienen, welche traditionell eher das konservative Lager unterstützt. Vielen Dank dafür.
Der Indische Abend war jedenfalls ein großer Erfolg, wie auf den Bildern zu sehen ist. Die Verantwortlichen der Stadt waren sehr begeistert und selbst die Sektebeauftragte Frau Prass war zu Besuch. Herr Lal, der Inder sprach dann noch einmal mit Ihr und versuchte Ihre Befürchungen zu entkräften. Was daraus geworden ist wird die Zukunft zeigen.
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