| Die ersten "Hare Krishnas" im Westen |
| Donnerstag, 05. Mai 2011 um 12:14 Uhr | |||
Noch immer ist man in Deutschland der Annahme, dass die Hare Krishna Bewegung eine Jugendsekte sei, welche in den 60iger Jahren in den Westen gekommen sei. Die Geschichte zeigt jedoch ein anderes Bild...
Von Nazis verboten und verfolgt - Von Professoren anerkanntProfessor Helmuth von Glasenapp, zu seiner Zeit einer der führensten Religionswissenschaftler, schreibt bereits 1960 in seinem Buch „Das Indienbild deutscher Denker“, dass 1902 der erste Nachfolger Chaitanya Mahaprabhus (dem Begründer der Hare Krishna Bewegung) nach Amerika gegangen sei, um dort Krishnabewusstsein zu lehren. In einem anderen Buch namens „Madhvas Philosophie des Vishnu-Glaubens“ schrieb er 1923: „Mit Sicherheit wissen wir nur, dass der bengalische Reformator Chaitanya (1486-1534) zu Madhvas Sampradaya (Schüler-nachfolge) gerechnet wird...“. Weiter gibt er einige Verweise zur Untermauerung seiner Thesen an. Schlussfolgernd können wir sagen, dass schon im Jahr 1923 die Hare Krishna Bewegung als autorisierte und uralte, indische Tradition in Deutschland bekannt und akzeptiert war!
Der erste deutsche Gaudiya Vaishnava
Einer der Interessierten war Dr. Ernst Georg Schulze, welcher gerade in Leipzig als Religionswissenschaftler habilitierte und der erste deutsche "Hare Krishna" oder wissenschaftlich ausgedrückt Gaudiya Vaishnava werden sollte. Doch musste er seine Stellung in Leipzig vor dem Abschluss seiner Habilitation aufgeben, da er jüdische Professoren verteidigte. Darauf ging er nach Berlin und bereitete von dort aus eine Vortragsreise für Swami Bon Maharaja vor. 1934 reisten beide unter anderem nach Berlin, Leipzig, Dresden, Prag, Stuttgart, Bonn, Marburg und Wien und trafen neben einflussreichen Politiker auch renommierte Professoren der Indologie. Zu ihren Vorträgen kamen bis zu 700 Zuhörern, was die damalige Offenheit unter Akademikern gut widerspiegelt. Während dieser Zeit existierten in Berlin und London auch feste Zentren der Bewegung für Krishna Bewusstsein.
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Die Flucht nach Indien und erste Einweihung eines Nicht-Inders
Sowohl Bon Maharaja als auch Dr. Ernst Schulze flohen 1935 über Umwege vor dem NS-Regime nach Indien. Dort wurde Schulze 1935 in einem historischen Ereignis als erster Nicht-Inder in die Gaudiya Madhva Vaishnava Tradition eingeweiht. Sein spiritueller Meister Bhaktisiddhanta Sarasvati Thakura gab ihm den Namen Sadananda Swami. Mit Ausbruch des Krieges 1939 wurde Sadananda von der englischen Kolonialmacht in ein Internierungslager überführt. Dort traf er auf den österreichischen Schriftsteller Walther Eidlitz, welcher auf der Suche nach den spirituellen Schätzen Indiens gereist war.
Links sitzend: Baron von Köth Mitte: Bhaktisiddhanta Saraswati, Sadananda, Bon Maharaja Rechts außen: Abhay Charan, später bekannt als Bhaktivedanta Swami, Begründer der ISKCON
Walther Eidlitz verfasst erste deutsche Vaisnava-LiteraturNach kurzer Zeit gab Eidlitz den Weg der Advaita Philosophie, dem er bis dahin folgte, auf und begann unter der Leitung von Sadananda die Tiefen der Vaishnava Philosophie zu erkunden. Nach dem Ende des Krieges ging Walther Eidlitz nach Schweden, wo er über das Leben Sri Chaitanyas promovierte, Werke der Vaisnava Philosophie übersetzte und weitere Bücher schrieb.
Diese Begebenheiten umriss Glasenapp in seinem 1960 erschienenen Buch "Das Indienbild deutscher Denker" und erzählt nebenbei auch vom Besuch des indischen Mönchs Swami Bon bei sich daheim.
Sadbhuja dasa
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