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Erstens: kommt es anders...
Freitag, 18. September 2009 um 17:32 Uhr

Gauranga steht vor den Niagara FällenZur Beruhigung für alle, die glaubten ich mach hier nur 6 Monate Urlaub (mich selbst eingeschlossen): Als erstes sagte mir Bhaktimarga Swami (sozusagen unser Intendant), es handle sich leider im Moment noch nicht um eine vollzeit Theatergruppe. Auch die Größe des Ensembles nimmt sich noch eher bescheiden aus: wir sind 3. Und der eine Mitstreiter kommt aus Südafrika, hat Angst vorm kanadischen Winter und reist deshalb im Dezember in den südafrikanischen Sommer zurück. Zeitgleich mit unserer Exkursion nach Kuba übrigens. Aber optimistisch wie wir sind hoffen wir auf weitere Verstärkung aus aller Welt um ein neues Theater Imperium ins Leben zu rufen: SWAMI - productions (Swami bezieht sich hier auf Shrila Prabhupada, Bhaktimarga Swami, und soll auch noch ein Akronym werden. Unser momentaner Favorit: Spiritually Wise Artists Make Interesting - productions)

hier ist der Tempel in Toronto zu sehen

Ich höre sie schon die Unkenrufe: "Bei einem Teilzeit-Theater hast du doch noch mehr Freizeit!" Weit gefehlt, immerhin handelt es sich um einen ISKCON Tempel (außerhalb Indiens). Das heißt: Pujaris, Köche und Putzfrauen werden gern für eine 80 Stunden Woche unter Vertrag genommen (Unser lieber Govinda meinte treffend: "Hast du etwa einen perfekt organisierten Tempel ohne Personalmangel erwartet??!?") Natürlich unbezahlt... bei freier Kost und Unterbringung Unentschieden

Hier ein Foto vom Tempel, er ist in einer ehemaligen Kirche untergebracht (ein größeres konnte ich nicht finden, wird bei Gelegenheit nachgeliefert)

 

 Swami-Productions

Was passiert also in der Theatergruppe? Wir schreiben grad an einem Stück zum Thema Einsamkeit. Von lustig bis todtraurig ist alles dabei. Wir arbeiten nach dem Konzept, die Stücke selber zu schreiben und im Probenprozess dann noch zu verbessern (wie ich das ja auch schon beim Theater FingFeuer gelernt habe). Ich hoffe also, ich kann noch mehr dazulernen und neues Wissen mit nach Hause bringen. Und außerdem wollen wir uns natürlich theatral weiterbilden, daher stehen Stimmtraining und südindische Kampfkünste auf dem Plan.

Interessant dürfte der Ausflug nach Kuba werden, denn vor dem einheimischen Publikum müssen wir natürlich spanisch spielen. Wir werden wahrscheinlich das Stück "Die Gita" aufführen, welches wir ja schon beim Woodstock-Festival erfolgreich auf polnisch auf die Bühne gebracht haben.

Letzte Woche haben wir einen Ausflug zu den Nigarafällen gemacht. Das war natürlich sehr spannend. Ist schon beeindruckend zu sehen, was Krishna so in seiner Freizeit bastelt. Ich habe sogar Beweisfotos:

 

 

Ausflug mit Bhaktimarga Maharaja zu den Niagara Fällen

Natürlich darf auch das obligatorische Gruppenfoto nicht fehlen, immerhin ist man ja Tourist...

 

Hinterher waren wir im Nigara River baden. Die Strömung war etwas stark, aber ich hab ja ne Reisekrankenversicherung. Das Wasser war sehr warm, und auch wenn es die Bilder hier nicht vermuten lasssen, es herrschten auch so ganz angenehme Temperaturen, und die Sonne kam auch noch raus. Allerdings musste man zum Fluss hinunter einen Abstieg in die Schlucht wagen. Dabei hatten wir Bhaktimarga Swami kurzzeitig verloren, immerhin ist er der "walking monk" und als solcher gut zu Fuß unterwegs. (Wenn es ihm zu lange dauert bis sich die Devotees dazu bequemt haben loszufahren, läuft er übrigens auch gerne mal die ersten paar Kilometer zu Fuß, bis wir ihn dann mit dem Auto einsammeln.)

Zum Glück waren die Schluchten gut ausgeschildert, so dass man sich nur ganz selten verlaufen konnte Cool

 

 

Einer kleiner See für die Menschheit, ein großer See für den Europäer! Lachanfall

Hinterher haben wir noch beim Ontariosee angehalten. Europäer dürfte der Begriff "See" möglicherweise etwas in die Irre führen, er ist etwa 300 mal 80 Kilometer groß. Auch dort waren wir dann noch schwimmen, bei einem Wellengang, der mit See nichts mehr zu tun hatte... höchstens mit der See. Das Ganze war jedenfalls sehr spaßig und erfrischend. Wer hätte gedacht, dass ich bei einer Reise nach Kanada baden gehe, statt Schlitten zu fahren.

hier gehts nach obenDie Geschichte mit dem See zeigt dann auch den wichtigsten Unterschied zwischen hier und Deutschland: alles ist größer. Die Autos (selbst, wenn sie von europäischen Herrstellern sind), die Häuser, die Berge, die Wasserfälle, die Schlaglöcher... an Indien reichen die zwar nicht heran, aber die Straßenverhältnisse lassen doch eher etwas Ostalgie aufkommen, als dass sie einem die "große neue Welt" vorgaukeln. Die Müllberge sind leider auch etwas größer. Das Leitungswasser riecht und schmeckt nach Chlor, was allerdings von Einheimischen gar nicht mehr wahrgenommen wird, die trinken das gute Rohrheimer Leitungsquell ohne Bedenken. Außerdem sehen die Türklinken anders aus und funktionieren auch anders. Und das kalte Wasser geht in die andere Richtung auf als in Europa... diese Liste ließe sich natürlich noch fortsetzen, aber ich denke das reicht, um einen ersten Eindruck zu vermitteln.

Und noch ein Nachtrag zum Thema Größe: Da ich ja auch gerne das Land kennen lernen möchte, werde ich evtl. mit einer Mitspielerin nach Vancouver (Westküste) fahren, um ihre dortigen Sachen abzuholen (sie ist auch extra für die Theatergruppe nach Toronto gezogen). "Wie lange dauert denn das?" hab ich gefragt. "5 Tage." war die trockene Antwort. Eine Strecke wohlgemerkt. Wenn man so lange in Europa unterwegs ist, ist man schon gar nicht mehr in Europa...

 

Liebe Grüße, Hare Krishna und bis bald!

Euer Gauranga

 
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