| Zweitens: vom Heimweh und anderen Märchen |
| Dienstag, 06. Oktober 2009 um 18:32 Uhr | |||
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Jahre später nahm das Schicksal jedoch eine plötzliche Wendung. Der große Zauberer Bhaktimarga Swami, der seinen Zaubersprüchen besonders durch perfekt choreographierte Tanzeinlagen zum Gelingen verhilft, während er den Hare Krishna Mahamantra rappt, schnippte in die Finger, um ein neues Theaterimperium aus dem Äther zu manifestieren: SWAMI-productions. Da lies sich unser kleiner Gauranga natürlich nicht lange rufen, und plante eine lange Reise in eine unbekannte Welt. Vorher ließ er es sich jedoch nicht nehmen, eine Abschiedstournee durch das verzauberte Königreich Sachsen zu unternehmen, welche ihn über Chemnitz und Dresden schließlich nach Leipzig führte. Dort angekommen, lud er alle brahminischen Zauberer Sachsens ein, um an seinem Abschiedsmal teilzunehmen und Segnungen für die Reise auszusprechen. Aber der kleine Gauranga beging einen großen Fehler: Er vergaß die Magier aus Thüringen. Während des rauschenden Festes wurden viele gute Wünsche für die Reise ausgesprochen, und gerade als die gute Fee des Leipziger Tempels, Ramanandini, ihren Wunsch aussprechen wollte, kam die Hexe aus Jena auf ihrer fliegenden Untertasse, welche aus einem DDR-Plattenspieler und einer unglaublich schnell rotierenden Goa-Schallplatte bestand, zur Tür herein geschwebt: "Oh Gauranga! Du sollst gestraft sein mit Heimweh und Trennungsschmerz. Bei jeder Gaura Arati in Kanada sollst du dich deiner Freunde im Königreich Sachsen, im Großherzogtum Berlin und natürlich dem heiligen römischen Reich deutscher Nation, Thüringen, dem Nabel der uns bekannten Welt, wehmütigst erinnern. Ich erteile dir diese Segnung, auf dass du bald zurückkommen mögest!" Aber die große Magierin Gopati hatte ihre Rechnung ohne Ramanandini gemacht. Diese nutzte ihren noch nicht ausgesprochenen Wunsch für einen Gegenfluch, welcher unserem Gauranga alles Glück auf Erden sowie einen großen Schritt nach vorn auf der Reise zu sich Selbst versprach. Was wurde nun aus dem Zusammenspiel dieser beiden Wünsche? Der große Bhaktimarga Swami hatte sich bei seiner Beschwöhrungsformel leider etwas vertan...  * * * An dieser Stelle enden die uns vorliegenden Aufzeichnungen leider. Wir konnten Herrn Gauranga aber für ein Interview gewinnen, welches hier kurz wiedergegeben werden soll: Gaurangas Tagebuch (im folgenden GT): "Herr Gauranga, wie haben sich die über Sie verhängten Flüche denn nun ausgewirkt?" Herr Gauranga (im folgenden G): "Naja, hier im Toronto-Tempel gibt es grundsätzlich keinen Kirtan zur Gaura Arati. Außer beim Sonntagsfest, aber da hab ich meistens Probe. Daher konnte mich der Heimwehfluch nicht bei der Gaura Arati treffen." GT: "Das heißt, Sie sind die ganze Zeit total glücklich, was ja dem Inhalt des Gegenfluches entspräche?" G: "Nicht ganz. Ramanandini hat wohl ein Mantra vom Puja Seminar in Mayapur falsch aufgeschrieben. Es ist jetzt leider so, dass ich die ganze Zeit Heimweh habe. Ich würde am liebsten sofort zurückkehren und alle meine Freunde und meine Familie wiedersehen. Ick vermisse Euch Allen janz dolle und freue mir uff een Wiedersehen! Und am meisten vermisse icke den Jopatiii!!! GT: "Aber hat sich denn wenigstens der zweite Teil von Ramanandinis Fluch erfüllen können?" G: "Oh ja! Es ist mir tatsächlich gelungen, neue (und alte) Aspekte meiner Persönlichkeit zu entdecken und zu akzeptieren und daraus Kraft für neues Wirken und neue Wege zu schöpfen. Dafür bin ich sehr dankbar, und werde versuchen, diese Energie auf dem Rest meiner Reise sinnvoll einzusetzen. Gerade heute haben wir vor einem begeisterten Publikum das Stück "Lonely" auf die Bühne gebracht. Trotz einiger Schwierigkeiten im Vorfeld - so ist beispielsweise ein Mitglied der Truppe mitten in der Produktion ausgestiegen, und es musste kurzfristig Ersatz gefunden werden - konnte sich eine Kerngruppe bilden und zusammenwachsen, und nun wurden wir für monatliche Fortsetzungen dieser Produktionsreihe engagiert. Außerdem ist eine Reise nach Kuba vom 21. bis zum 29. Dezember geplant. (Bei dieser Reise werde ich übrigens einen Postkartenmarathon durchführen, wer ein Exemplar bekommen möchte, sollte mir einfach seine Adresse mitteilen) Es ist allerdings gut möglich, dass das Heimweh nach diesem Ausflug überhand nimmt, und ich im Janur in die Dornburger Straße 84 zurückkehre. Da ich noch kein Rückflugticket habe, bin ich für Spenden jeder Art dankbar, einfach an den Postkartenwunsch anhängen 8o) Die Gruppe war übrigens viel größer geplant, aber viele Leute sind einfach gar nicht gekommen, bzw. sehr bald wieder gegangen. Und die aktuelle Produktion war angeblich die chaotischste aller Zeiten (allerdings wurde diese Aussage ohne Kenntnis unserer BerlinLeipzig Aufführungen getroffen). Bhaktimarga Swami hat sich wohl etwas verzaubert. Aber er arbeitet an einem Korrekturzauberspruch. GT: "Danke Herr Gauranga, wir hoffen, Sie bald wieder für unser Blatt interviewen zu dürfen." G: "Gerne, jederzeit."
Kanada Unglaubliche Weiten, blühende Landschaften, lange Straßen... das ist Kanada. Bäume so groß wie hierzulande nur die Fernsehtürme, und Fernsehtürme so groß wie Raketen. Und Seen so groß wie hierzulande nur die Meere, und Meere so groß wie bei uns der Ozean. Und Straßen, so lang, dass man 5 Tage fahren muss, um ans andere Ende des Landes zu kommen; hierzulande wäre man schon nicht mehr im Lande, sondern am anderen Ende des Kontinents. Und auf diesen Straßen fahren Autos, so groß wie bei uns nur die Panzer. Und Panzer so groß wie Busse. Und Busse so groß wie Busse! Und U-Bahnen so groß wie U-Bahnen... Und Pappteller aus Styropor. Und Papierbecher aus Styropor. Und Reinigungsmittel vom Frosch mit Chlor. Und Plastikverpackungen aus Plastik... Und Menschen. Und Liebe. Und Ängste. Und Schwule. Und Ich. Und Gott. Und Blumen. Und Mäuse. Und Kuchen. Und ALLES! Und ganz normale U-Bahnen. Und ganz normale Busse. Und Panzer, die nutzloser Weise die blühenden Landschaften unserer Erde zerstören. Und Autos, die das 5fache an Sprit verbrauchen und ebensoviele Abgase erzeugen. Und Straßen, auf denen man nur 90 km/h fahren darf, damit einem das Land größer vorkommt und die Schlaglöcher nicht so auffallen. Und Meere, in denen bisher ubekannte Tierarten ihre letzte Zuflucht finden. Und Seen, die ein Fünftel der Süßwasservorräte der Erde speichern. Und Fernsehtürme, die ich noch nicht besucht habe. Und Bäume, auf denen eine Naturschützerin 2 Jahre wohnte, um sie vor den Motorsägen zu bewahren... Kanada ist das. Straßen lang, Landschaften blühend, Weiten unglaublich! Alles bedarf eines zweiten Blickes, um beurteilt zuwerden. Nichts bedarf eines Urteils.
Gauranga
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