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Drittens: quer durch Kanada
Montag, 26. Oktober 2009 um 17:42 Uhr

 

Die Vorraussetzungen:  Nitai Priya Mataji ist im Sommer von Vancouver nach Toronto gezogen um Bhaktimarga Swami beim Theaterprojekt zu helfen. Ihre ganzen Sachen waren aber noch im (4.400 km entfernten) Toronto, und die galt es abzuholen bevor der Winter kommt, da ansonsten die Straßen Kanadas wegen des Eises nur schwer zu befahren sind. Und da sie 50% unserer Theatergruppe ausmacht, schadete es auch nicht, dass die anderen 50% (ich) auch noch mitgefahren sind, alleine hätte ich eh keine Aufführung auf die Beine gebracht, und ohne Begleitung durch Kanada zu fahren macht auch nur halb soviel Spaß. Am Mittwoch den 14. Oktober ging es also los. Um 4:30 Uhr war die Abreise geplant. Immerhin wollten wir die 1400km nach Thunder Bay an einem Tag schaffen. Gut, dass ich 3 Stunden geschlafen hatte. Nitai Priya hat es nur auf 1 1/2 Stunden gebracht. Optimale Vorraussetzungen also. Nach 3 Stunden musste sie dann auch tatsächlich einen Kaffee trinken, um uns vor dem Tod durch Zerschellen an einer Bergklippe zu bewahren. Wir sind mit einem großen Umzugswagen gefahren, mit etwa 4,50m Ladefläche. Clevererweise wurde das Ding mit Benzin betankt, von dem es tatsächlich 25l auf 100km haben wollte. Benzin ist allerdings eines der wenigen Dinge hier, die wirklich biliger sind, etwa einen Dollar pro Liter (ca. 0,65 €). Auf dem Weg durch die Provinz Ontario haben wir dann die wunderschön gefärbten kanadischen Laubblätter bestaunen können. Aus irgendeinem Grund entwickeln sie neben vielen Gelb und Brauntönen auch ein sehr intensives Rot. Da wir kaum anhalten konnten und nur durchgebraust sind, gibts keine eigenen Fotos davon, aber ich hab mal eins im Internet rausgesucht, damit ihr euch eine Vorstellung machen könnt:

 bunte Bäume in Kanada

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es gibt allerdings ein paar Unterschiede zwischen Kanadas  Highways und der deutschen Autobahn: Streckenweise ist es eher etwas, was man bei uns Landstraße nennen würde. Es gibt keine Straßenpfosten und nur wenige Leitplanken. Wahrscheinlich ist das der Grund für die Geschwindigkeitsbegrenzung auf 90! km/h in Ontario. Einige andere Provinzen erlauben 100 bis 110 km/h aber auch auf den mehrspurig ausgebauten Abschnitten darf man nicht schneller fahren. Daher haben wir auch gleich am ersten Tag einen Strafzettel für zu schnelles Fahren bekommen. Aber wenn man sich an die Tempolimits hält, braucht man ja doppelt so lange... Außerdem gibt es normale Kreuzungen auf den Highways, und dementsprechend auch andauernd Linksausfahrten, was den Verkehrsfluss natürlich auch erheblich einschränkt. Zum Glück gibt es in Kanada nur 30 Mio Einwohner, sodass insgesamt recht wenig los ist auf den Straßen, im Stau standen wir kein einziges Mal.

In Thunder Bay angekommen (mitten in der Nacht natürlich), gab es ein herz- (und gedärme-) erwärmendes Essen mit viel indischen Feuer zubereitet. Und weil wir den nächsten Tag überleben wollten, nahmen wir von dem ursprünglich Plan Abstand, gleich wieder um 4 Uhr früh weiterzufahren. Nach Ausschlafen bis um 11 und Frühstück und der Suche nach einem Kabel um unsere Musikanlage mit dem Auto zu verbinden, ging es dann doch um 4 weiter... leider nachmittags. Das nächste Etappenziel war Regina. Da wir die Leute bei denen wir dort nächtigen wollten aber vorher nicht erreicht hatten, und in der verbleibenden Zeit auch Regina nicht mehr zu erreichen war, planten wir die ganze Nacht durchzufahren, bis zum darauffolgenden Zwischenstopp, dem malerischen Städtchen Nelson. Leider ging uns mitten in der Nacht das Benzin aus (die Tankstellen in den Pupsdörfern hatten alle geschlossen), daher mussten wir in einem Motel übernachten. Da hab ich mich dann echt wie in einem amerikanischen Film oder einem Roman von Stephen King gefühlt. Zum Glück war es eine ganz gut geführte Unterkunft, und wir konnten Kraft für die nächste Etappe sammeln. Nach dem wir den Tank aufgefüllt hatten, ging es weiter. Und dann die Sensation: ich durfte ans Steuer und die Straßen Kanadas unsicher machen (und mich mit lächerlichen 140 km/h im illegalen Bereich bewegen). Davon gibts auch Beweisfotos. Aber nun kommen wir zum technischen Problem, welches auch ein Grund für die Verzögerung war: wir haben das Kabel für die Kamera verbummelt, die Bilder werden also demnächst nachgeliefert...

Der nächste spannende Programmpunkt war ein Ausflug nach Lynn Canyon in Vancouver, so eine Art Nationalpark. Auch da haben wir stets auf unsere Sicherheit geachtet, und sind nur auf den nicht markierten Pfaden mit besonders viel feuchtem Laub ganz nah an den Abhängen gelaufen. Und wir haben verbotene Wasserfälle besucht. Da gibts die tollsten Fotos, wie gesagt, ich hoffe, ich kann sie bald nachliefern. Auf einem Bild lehne ich an einem Baum, der schräg über einen Abhang wächst, durch den wiederum ein reißender Wildbach fließt...

Mir wurde erzählt, dass Vancouver von den tollsten Bergen umgeben ist. Davon habe ich allerdings nichts gesehen, da es die meiste Zeit geregnet hat und sehr neblig war. Hauptaufgabe dort war allerdings auch, den Hausstand einer 35jährigen Frau in einen Umzugswagen zu laden. Das schloss ein Klavier mit ein. Und unzählige Kisten, Möbel etc. Aber was macht man nicht alles für gute Freunde, und ich habe ja auch schonmal die Devotees genötigt, mein Klavier in die 4. Etage meiner Altbauwohnung zu schleppen. Hier gibts zum Glück überall Aufzüge. Dann haben wir noch kurz die Feierlichkeiten anlässlich der Govardhana Puja mitgemacht und eine Abschiedsparty für Nitai Priya besucht, und schon gings zurück, quer durch den Kontinent.

Auf dem Rückweg haben wir eine Nacht auf der Sharanagati Farm verbracht. Ein riesiges Anwesen in den Bergen, mehrere hundert Hektar groß. Dann gings nach Calgary, wo wir bei Nitai Priyas Oma halt gemacht haben. Dort sind wir 2 Tage geblieben, und es war fast der schönste Teil der Reise. Das lag wohl auch am Wetter, es wurde sonnig, und man konnte im Park spazieren gehen, Rehe beobachten, und die Nase in die Sonne halten. Außerdem erinnerte die Landschaft dort am ehesten an zu Hause, ein paar Hügel, ein paar Wälder, aber keine riesigen Berge oder endlos weite Prärien, durch die es später ging. Der weitere Rückweg verlief dann ohne größere Zwischenfälle. Nur am letzten Tag (wir erinnern uns, 1400 km von Thunder Bay nach Toronto) hatten wir etwas Glatteis. Wir haben auch einen Sattelschlepper gesehen, der unglücklicherweise in den Straßengraben gerutscht war. Uns blieb aber ein ähnliches Schicksal erspart, auch als wir an den beeindruckenden Küsten des Lake Superior (der Obere See, einer der größten Seen der Welt) vorbeifuhren, sind wir nicht ins Wasser gefallen 8o)

Bilanz: 9000 km in 12 Tagen, 6 Tüten Chips, 15 heiße Schokoladen, ein halbes Kilo Erdnüsse, 4 Zeitzonen, schätzungsweise 25 Tankstopps, 3 riskante Situation und ca. 50 Stunden Unterhaltung über Gott und die Welt. Außerdem war ich an einem Punkt der Reise irgendwie kreativ, mich hat sozusagen die Muse geküsst, und es sind einige Gedichte entstanden. In englischer Sprache. Aber ich möchte hier trotzdem 2 davon veröffentlichen.

 

 All that is

Love yourself for what you are,
not for what others want you to be!
In that way bitterness is always far
and your mind will always be free.

Love all your friends for what they are,
not for what you want them to be!
In that way let your love become a star
that shines for eternity.

Love all your enemies for what they are,
no hate for what you think them to be!
In that way you will see who they really are
and award them with sympathy.

Love all that is for what it is,
not for what you want it to be!
In that way make your peace with the Lord of all this
and be grateful, eternally.

Love your Lord for what he is,
not for what you want Him to be!
For God, the creator, is all that is:
He's your love, your doubt and your phantasy.

 

 The opposite of art

Art is beauty
Art is nice
Art is artificial
made by man
with small device
it lacks grace, that's visible!

Nature's beauty
Nature's nice
Nature's full of Art
made by God
with love and grace
it is the opposite of Art!

Art can be beautiful
Art can be nice
Art can be full of grace
if you do it with love
and connect it to God
it shows its real face!

 

Das zweite Gedicht ist entstanden, nachdem wir durch die Rocky Mountains gefahren sind. Nitai Priya meinte, dass Krishna doch der eigentliche Künstler auf der Erde ist, da er so überwältigende Dinge schafft. Und dann meinte sie, dass es eigentlich noch viel mehr als Kunst ist, da alles lebt und einen Zweck hat. Das hat mich auf die Idee vom Gegenteil der Kunst gebracht.

Seither ist nichts spannendes mehr passiert, aber der Fluch von Gopati zeigt immer mehr Wirkung: Ich will nach Hause 8o( Zum Glück habe ich gute Freunde in Berlin, die weder Kosten noch Mühen gescheut haben, mir ein Rückflugticket bei Polish Airlines zu besorgen, inklusive 7 Stunden Aufenthalt in Warschau. Am 5. Januar abends werde ich zurück in Berlin sein. Also bis dahin, alles Gute. Und ich freue mich übrigens über Nachrichten aus der Heimat, ihr dürft mir also gerne schreiben, ich antworte auch: gauranga(ät)gmx.net

 

 Gauranga

 
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