| letztens: war ich in Kuba |
| Dienstag, 29. Dezember 2009 um 17:16 Uhr | |
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Nach 3 1/2 Stunden Flug durften wir das Flugzeug schon wieder verlassen. Und da es direkt nach Süden ging, gab es keine Zeitverschiebung und einen Temperatursprung von etwa 30 Grad (also von -5 auf 25). Alles ist in Kuba ein bisschen anders, ähnlich wie in Indien, und definitiv läuft alles anders als man es plant. Daher gleich zur Beruhigung: Es war kein Sommerurlaub, wir hatten gar keine Zeit, auch nur einen Strand zu besuchen. Ganz davon abgesehen, dass im Moment Feuerquallensaison ist. Eines der wichtigsten Merkmale von Kuba war für mich das Leben (und die Wärme), die man dort überall findet. Land und Leute sind ziemlich arm, und wir durften auch sozusagen hautnah erleben, was das bedeutet, aber alles ist mit Leben erfüllt. Die Straßen sind vielleicht noch dreckiger als in Indien, es gibt Orte an denen es stinkt, aber all das ist echt! Die Devotees dort haben mich gefragt warum es mir in Kuba so gut gefällt, und ich musste genau das als Antwort geben: Kuba mag arm sein und stinken, aber es ist echt und voller Leben. Kanada mag reich und sauber sein, aber nur an der Oberfläche, darunter ist es tot.
Dementsprechend ist es mir auch sehr schwer gefallen, das Land wieder zu verlassen. Schon nach ein paar Tagen habe ich mich mehr zu Hause gefühlt, als in den 3 Monaten vorher in Toronto. Es war so ein warmer Empfang, was sicherlich auch am warmen Klima und den warmherzigen Leuten liegt. Vermutlich bin ich eher für sonnige Regionen geeinǵnet. Caitanya Priya, bei der alle Programme stattfanden, ist eine Professorin für Chemie an der Universität. Und sie verdient im Monat etwa 30 Euro! Soviel hat unsere Unterkunft pro Nacht gekostet! Man kann sich also ausrechnen, wie schwer es dort ist, ein ganzes Festival zu organisieren und vor allem zu finanzieren. Ohne Sponsoren wäre gar nichts möglich gewesen, sogar unsere Flüge wurden ja gesponsort, und so hatte ich die einmalige Chance und große Ehre, beim ersten Festival für vedische Kultur in Kuba dabeizusein. Geplant war ein bunter Abend mit Musik, Tanz, Theater und Gesprächen. Eigentlich sollten noch viele andere Devotees kommen, aber wie alles in Kuba lief auch dies anders als geplant, und so waren wir nur zu viert: Bhaktimarga Swami, Nitai Priya, Jettu und ich, allesamt aus Toronto angereist. Und natürlich die Devotees und Helfer aus Kuba. Das Theaterstück, "Die Gita" (einige von Euch kennen es sicher noch), eigentlich für mindestens 12 Schauspieler ausgelegt, mussten wir somit mit nur 8 Leuten auf die Bühne bringen. Auch für Musik und Tanzeinlagen mussten wir selber sorgen, da die entsprechende Unterstützung aus Miami nicht kam (aufgrund flugtechnischer Probleme). Es war also sehr viel zu tun, aber es hat auch sehr viel Spaß gemacht, und letztendlich war es ein wunderbares und gelungenes Festival. Der Veranstaltungsort war eine ehemalige Kirche, allerdings erinnerte weder das Äußere, noch das Innere daran. Abgesehen vom Altar, den wir als Bühne benutzten. Der Künstlerische Leiter der Einrichtung, die nun vom Kulturministerium betrieben wird, hat sich dann ganz schnell bereit erklärt, mitzuspielen. Und das so gut, das sogar Bhaktimarga Swami sagte, dass sei der beste Arjuna, den er je gesehen hat. Aufgrund der personellen Schwierigkeiten wurde der Tag vor dem Festival zum Intensivprobentag erklärt. 10 Stunden, von 10 bis 20 Uhr. Unser Hauptdarsteller für die Rolle des Arjuna war am Tag zu vor gar nicht erschienen, und auch an diesem Tag kam er sehr spät, so dass wir schon befürchteten, auch noch diese Rolle kurzfristig umbesetzen zu müssen. Zum Glück kam er dann aber doch noch, und er konnte auch sämtlichen Probenrückstand in einer halben Stunde aufholen. Und so haben wir 24 Stunden vor dem großen Auftritt dann doch noch eine einigermaßen flüssige Probe hinbekommen. Unsere Mahlzeiten haben wir in der 3qm Küche von Caitanya Priya zubereitet. Ich habe eine paarmal beim Kochen geholfen. Die verfügbaren Zutaten sind nicht immer die frischesten. An einem Tag, als wir halb verschimmelte ("reife") Kochbananen geschält und geschnitten haben, habe ich im Scherz gefragt, vor wievielen Monaten diese gekauft wurden. Obwohl wir alle gelacht haben, bekam ich folgende Antwort, die mir sehr zu denken gab: "In Kuba haben wir nicht so viele Möglichkeiten. Manchmal müssen wir Zutaten zum Kochen benutzen, die nicht mehr sehr gut sind. Und manchmal müssen wir Gemüse benutzen, das man eigentlich gar nicht mehr essen kann, aber wir müssen es trotzdem essen, weil es nichts anderes gibt." Und trotz dieser extremen Bedingungen war das Essen, welches in kleinen, zerbeulten Aluminiumtöpfen mit abgebrochenen Griffen gekocht wurde, so lecker wie kaum eine Mahlzeit vorher. Weil mit soviel Liebe gekocht wurde. Und so haben wir uns auch alle sehr schnell sehr lieb gewonnen, so dass der Abschied besonders schwer fiel, und das Ziel meiner nächsten Reise also schonmal feststeht. Ein weiteres, ganz besonderes Merkmal von Kuba sind die Autos. Etwa 50% davon sind mindestens 30 Jahre alt, es gibt aber auch viele, die 50, 60 und 70 Jahre alt sind - und immernoch fahren. Und man muss einfach sagen, dass diese Autos einfach viel besser aussehen. Leider haben sie keinen Feinstaubfilter, so dass die Atemluft in der Stadt nicht immer die Beste ist. Zum Glück liegt Havanna direkt am Ozean, man kann also auch mal frische Meeresluft schnuppern um die Lungen zu reinigen. Fotos gibt es wiedermal kaum bis gar nicht, unsere Kamera inklusive Maschinistin war krank. Es gibt aber einige Videos, die ich gern zeigen kann. Und ich habe ein paar Postkarten, die ich leider nicht abschicken konnte. Trotz der geringen Löhne für die Einheimischen sind viele Produkte für Touristen fast 1:1 mit Dollar oder Europreisen zu vergleichen. Ich hatte nur 10 Dollar für meine Postkartenaktion dabei, und nachdem ich davon das meiste in die Karten investiert habe, konnte ich es nicht übers Herz bringen, ein weiteres halbes Monatsgehalt unserer Gastgeber für den Versand zu opfern. Ich hatte auch gar keine Zeit, irgendetwas zu schreiben. Aber wer weiß, vielleicht findet die eine oder andere Karte doch noch ihren Weg in die heimischen Briefkästen... Am Tag vor unserer Abreise haben wir dann noch ein "normales" Sonntagsfest veranstaltet, und die Hälfte der Gäste war wegen dem Festival am Tag zuvor gekommen. Also auch aus dieser Hinsicht ein war es ein voller Erfolg. Und es ist auch ein sehr spezielles Erlebnis, ein solches Fest in einem 12 qm kleinen Zimmer durchzuführen. Der Abend wurde leider von einem weniger erfreulichen Ereignis überschattet, Maharaja wurde auf dem Heimweg seine 36 Jahre alte Japa gestolen. Der Dieb dachte wohl, es wäre Geld im Gebetsbeutel eines Mönchs zu finden. Trotz einer sofortigen Suchaktion wurden wir nicht fündig. Und auf die Frage, ob wir nicht die Polizei einschalten könnten, bekamen wir zur Antwort: "Die Polizei ist damit beschäftigt, Bußgelder von Rasenlatschern einzutreiben. Wirklich helfen tut sie im Notfall selten..." Den Abschluss unserer Reise bildete ein Radiointerview 3 Stunden vor dem Rückflug. Eigentlich sollte das Ganze vor dem Festival stattfinden, was sicherlich auch etwas sinnvoller gewesen wäre, aber leider gab es auch dort organisatorische Schwierigkeiten. Wir wurden allerdings schon für die Sylvestershow 2010/11 im kubanischen Fernsehen gebucht, um dann dort indische Musik zu machen 8o)
bis ganz bald, Gauranga
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